Der Pharmazierat: „US-Marshall“ der Volksgesundheit

03.05.2017 08:34

"Apotheken unterliegen strengen Kontrollen. Sie werden regelmäßig und unangekündigt von unabhängiger Stelle geprüft. Je nach Bundesland heißen die Kontrolleure Pharmazieräte oder Amtsapotheker und sind dem Regierungspräsidenten und dem Sozialministerium unterstellt. Gefürchtet sind sie alle.“ „Wird eine Apothekenhelferin, die nicht zum pharmazeutischen Personal gehört, bei der Abgabe von Medikamenten erwischt oder gibt ein Mitarbeiter […] ein verschreibungspflichtiges Medikament ohne Rezept ab, ist der Teufel los.“ (Wahl, Straub: Rezeptfrei, Achtung Kontrolle)

„Apotheker müssen mit vermehrten Besuchen von Testkäufern rechnen. Kammern und Pharmazieräte wollen die Taktzahl in vielen Bundesländern erhöhen“, schrieb etwa die Onlineredaktion von Apotheke Adhoc.

Um ihren Kontrollauftrag ausführen zu können, sind Pharmazieräte und Amtsapotheker mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet. Ihre Besuche in Apotheken werden deshalb so gut wie immer von Aufwand, Aufregung und Stress begleitet. Beim Einsatz von ehrenamtlichen Pharmazieräten wird übrigens aus Wettbewerbsgründen darauf geachtet, dass ihre eigenen Apotheken außerhalb des von ihnen betreuten Zuständigkeitsgebietes liegen.

Beanstandungen bei der Revision sind Apothekern immer äußerst peinlich, wie Karin Wahl in ihrem Buch „Rezeptfrei“ in vielen kleinen Episoden plastisch und meist vergnüglich zu lesen darlegt. Gar nicht zum Lachen war ihr jedoch selbst zumute, als der für sie zuständige Pharmazierat bei der Eröffnungsrevision angesichts eines für später geplanten Sanierungsumbaus kurz und bündig verkündete: „Entweder Sie erledigen das im nächsten halben Jahr, oder ich mache die Bude dicht.“

Meist droht Apothekern nach einer Bemängelung obendrein Ärger mit dem Amt oder eine Nachbesichtigung. Es kann aber auch zur zeitweiligen Schließung der Apotheke kommen. Bei besonders gravierenden Verstößen ist selbst eine Aberkennung der Approbation vorgesehen.

Für Versicherungsvermittler ist eine zweite Funktion der Pharmazieräte bedeutsam. Diese sind auch der zuständige Entscheider, wenn es in Folge eines Versicherungsschadens darum geht, die Abgebbarkeit von Waren sowie die weitere Betriebsbereitschaft der Apotheke zu beurteilen. Für Apotheken steckt in diesem eher harmlos daherkommenden Satz eine enorme Sprengkraft. Denn hier geht es im Zweifel sehr schnell um fünfstellige Summen oder die Existenz schlechthin.

Da die Apothekeninhaber wegen der oben genannten Konsequenzen niemals das Votum des Pharmazierates missachten würden, steht die Entscheidung des zuständigen PhR immer über allen Voten der Regulatoren und Gutachter von Versicherungsgesellschaften. Das jedoch ist in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) der meisten Policen nicht so vorgesehen. Ein Ärgernis, das Apothekern im Schadenfall teuer zu stehen kommen könnte und sie zu einem langwierigen Prozess zwingen würde.

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