Clash of Clans

03.05.2017 08:30

In Literatur und Medien werden Apotheker gemeinhin als freundliche Menschen porträtiert, die sich vor Ort mit ihrer allseits geschätzten Profession nicht nur um die Gesundheit der Bürger, sondern oft auch um das örtliche Leben insgesamt verdient machen. Das scheint in der Regel auch zuzutreffen, besonders in Dörfern und Kleinstädten. Denn dort gehört „der Herr Apotheker“ seit ewigen Zeiten neben dem Bürgermeister, Pfarrer oder Pastor, Lehrer und – je nach lokalen Besonderheiten – Kaufmann, Großgrundbesitzer oder ortsansässigen Arzt oder Tierarzt zu den klassischen „big five“ eines jeden Honoratioren-Stammtisches.

Intern jedoch – also untereinander – bietet sich dem Betrachter des Öfteren ein anderes Bild. Da gönnt dem Anschein nach der eine dem anderen nichts und so manch ehrenwerter Apotheker liegt mit seinen Kollegen in argem Clinch.

Zum besseren Verständnis müssen wir in das ausgehende Mittelalter zurückblenden, denn dort liegen die ältesten Wurzeln der skizzierten Fehde. Als sich damals Apotheker niederließen, „besetzte“ jeder einzelne seinen Sprengel. Ein Ort – ein Apotheker. Solange dies unangetastet blieb, herrschte hundertjähriger Friede.

Auch als die Ortschaften größer wurden, kamen sich Apotheker noch nicht ins Gehege, denn Anzahl und Lage der Apotheken wurden streng reglementiert. Apothekenrechte waren ein stark begehrtes Gut. Sie wurden nur neu verliehen, wenn der Markt eine weitere Apotheke aufnehmen konnte. Gleichzeitig steckte dahinter die Befürchtung, dass bei übermäßiger Konkurrenz die Medikamentenherstellung an Qualität verlieren könnte.

Exakt an diese Stelle zwischen marktwirtschaftlichen Usancen und flächendeckender Qualitätsversorgung der Bevölkerung knüpft aktuell wieder die Diskussion über Rezeptrabatte und Online-Handel mit Medikamenten an. Denn eines hat sich in all den Jahrhunderten seit dem Edikt von Salerno nicht verändert: Apotheker sind immer gleichzeitig Kaufleute und Pharmazeuten. Sie müssen Gewinne machen, ohne dass deswegen die Volksgesundheit Schaden nehmen könnte. Deshalb wollen die zuständigen Stellen seit jeher einem möglichen Rückfall in alte marktschreierische Allüren ein für alle Mal einen Riegel vorschieben.

Apotheker sollten – und das gilt bis zum gegenwärtigen Tag – in Ruhe und ohne Zukunftssorgen arbeiten können. Damit sie ihrer Verantwortung für die Volksgesundheit gerecht werden können, wie noch heute die Berufsverbände der Apotheker (übrigens fraglos mit Berechtigung) nicht müde werden zu beteuern.

Die ersten größeren Auseinandersetzungen um Kunden und Marktanteile fanden in Zeiten der industriellen Revolution vor etwa 150 Jahren statt. Wo immer Arbeitsplätze in großem Stil entstanden, kamen auch neue Apothekenkunden in schneller Folge hinzu. Die meisten ortsansässigen Apotheken konnten den entstehenden Kapazitätsengpässen nicht durch Expansion begegnen. Ihnen fehlten schlicht die räumlichen Möglichkeiten. Also mussten dringend neue Angebote geschaffen werden.

Selbstverständlich schickten auch die Platzhirsche aus den umliegenden Ortschaften ihre Söhne ins Rennen um die neu zu vergebenden Apothekenlizenzen. Die lokal ansässigen Apotheker waren daran interessiert, eben dies um jeden Preis zu verhindern – aus sicherlich auch heute noch nachzuvollziehenden Gründen.

Glücklich war, wer just in dieser Zeit einen frisch approbierten Sohn aufzubieten hatte, der die dringend benötigte neue Apotheke eröffnen durfte. Beliebt hat sich der Neuankömmling von außerhalb jedoch nur selten gemacht. Seitdem hielten Apothekerdynastien traditionell so viele approbierte Sprösslinge vor wie möglich. Denn man konnte ja nie wissen, wann der nächste „Clash of Clans“ drohte.

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