Am Anfang war die Alchemie

03.05.2017 08:26

Im Mittelalter kümmerten sich Alchemisten, Quacksalber, Bader, Kräuterhexen sowie Hebammen und Mönche mehr oder weniger erfolgreich um Gesundheitsfragen. Mit den großen Entdeckungen und der Weiterentwicklung in der Medizin ging dann auch eine Veränderung des Apothekenwesens einher. Ein höchst attraktiver neuer Beruf entstand.

Als behördlich überwachte Einrichtung, die auch an amtliche Anweisungen gebunden ist, gibt es spätestens seit dem 12. Jahrhundert in Europa Arzneimittelgeschäfte. Die weltweit ältesten und heute noch immer betriebenen Apotheken sind die Klosterapotheke im Kreuzgang des Franziskanerklosters von Dubrovnik aus dem Jahr 1317 sowie die „Tallinna Raeapteek“ (circa 1400), klassisch direkt am Rathaus und an dem malerischen Marktplatz der estnischen Hauptstadt gelegen.Hier stellt man immer noch hauseigene Salben und Medikamente her, jedoch wird mittlerweile auch die typische Fertigarzneipalette vorgehalten. In beiden Apotheken wurde der Beginn der modernen Pharmaziegeschichte geschrieben.

Der Aufstieg der Apotheke als Betrieb geht mit dem Aufblühen des Städtewesens im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit in Europa einher. Hier liegen auch die Anfänge der wissenschaftlichen Pharmazie.

Apotheker verstehen sich nicht erst seit der Professionalisierung ihres Berufes als die Hüter der Volksgesundheit, die die hierfür nötigen Medikamente herstellen und abgeben. (Da sich die Apothekerschaft die philanthropisch-altruistische Grundidee ihres Berufes erhalten will, wird auch heute noch weitverbreitet das Wort „abgeben“ verwendet, wenn „verkaufen“ gemeint ist.)

Die strikte Trennung von ärztlicher Behandlung und der Bereitstellung von Arzneimitteln geht zurück auf Friedrich II. und dessen „Edikt von Salerno” von 1231. Der Stauferkaiser trennte darin erstmals in einem Gesetzestext fixiert Ärzte und Apotheker. Er legte damit den Grundstein für die Entwicklung des heutigen Apothekerberufs in Europa.

Kurz darauf – im Jahre 1241 – soll die Existenz einer ersten Apotheke aktenkundig belegt worden sein. In einer Schenkungsurkunde überschrieb ein Fridericus, Gutsverwalter des Bischofs von Trier, seine am Graben in der Stadt Trier befindliche Apotheke nebst angrenzendem Haus dem Frauenkonvent St. Thomas. Doch ob es sich bei dieser „apotheca“, die Urkunde ist in Latein abgefasst, wirklich um eine Apotheke nach unserem Verständnis handelt, wird von vielen Historikern bezweifelt.

Denn mit dem Begriff „apotheca“ wurde im 13. Jahrhundert noch allgemein ein Lager- oder Vorratsraum bezeichnet. (Das Wort entstammt aus dem Griechischen und bezeichnet darin einen Aufbewahrungsort für Vorräte.)

Erst seit dem 16. Jahrhundert kann die Existenz einer „Einhorn-Apotheke“ an der urkundlich bezeichneten Stelle verlässlich nachgewiesen werden. Dennoch wirbt die „Löwen-Apotheke“ – diesen Namen trägt sie mittlerweile – am Trierer Hauptmarkt damit, die älteste Apotheke in Deutschland zu sein.

Nach derzeitigen Erkenntnissen stammt das älteste erhaltene Apothekenprivileg aus dem Jahr 1303. Damals wurde einem Bürger im uckermärkischen Prenzlau das Recht zur Leitung einer „apoteka“ übertragen, samt Vererbbarkeit und einem Konkurrenzausschluss, der für einen Umkreis von zehn Meilen galt.

Sicher dürfte auch sein, dass Apotheken lange Zeit eher einem Vorratsraum für apothekenübliche Waren geglichen haben. Schließlich wurden Pillen, Salben, Heilkräuter und -getränke über mehrere Jahrhunderte noch auf Jahr- und Wochenmärkten angepriesen und verkauft.

Übrigens: Die alte Bedeutung des Wortes Apotheke „Lagerraum“ ist heute lediglich aus dem Laiengebrauch verschwunden. Apothekeninsider trennen sprachlich immer noch zwischen dem für Kunden zugänglichen Teil, der als Offizin bezeichnet wird – die Offizin, um genau zu sein – und der eigentlichen Apotheke. Hier lagern die rezeptpflichtigen Medikamente, weshalb dieser Bereich nur vom Fachpersonal betreten werden darf.

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