Was muss eine apothekengerechte Versicherung leisten?

Apotheken unterliegen ganz eigenen Regeln und Kammernvorgaben, zudem haben sie sehr eigene Risiken, die Apotheken deutlich von anderen Betrieben unterscheiden. Diese Unterschiede machen es unmöglich, eine Apotheke mit Policen "von der Stange" bedarfsgerecht abzusichern. Weshalb das so ist und worauf Apotheker/innen bei der Absicherung ganz besonders achten müssen, erfahren Sie hier.

Versicherungswert

Obwohl die Zeitwertregel auch vorher schon in den Bedingungen niedergelegt war, konnten Versicherungsnehmer bis ins Jahr 2000 darauf vertrauen, dass alle im Gebrauch befindlichen und ordnungsgemäß gewarteten Betriebseinrichtungen stets zum aktuellen Neuwert ersetzt wurden. Denn bis zu diesem Zeitpunkt fand die sogenannte „Goldene Regel“ Anwendung, die fast alle Mitglieder des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) einvernehmlich anerkannt haben.
Was kaum ein Vermittler weiß: Genau diese Empfehlung wurde vom GDV im Folgejahr zurückgezogen, viele Gesellschaften wollten das Risiko nicht mehr tragen. Ist also ein Apothekeninhalt zu Bedingungen ab 2001 zum Neuwert versichert, muss das trotzdem nicht für Inhalte gelten, deren Zeitwert unter 40 Prozent gesunken ist.

Kontrollfrage: Ist die 40-Prozent-Klausel ohne Wenn und Aber abbedungen?

Unterversicherung

Die Unterversicherungsklausel beziehungsweise die damit zusammenhängenden Mitwirkungspflichten stellen die meisten Apotheken vor große Probleme. Während eine Auflistung aller defekten oder abhandengekommenen Dinge leicht erstellt werden kann, gestaltet sich die Auflistung aller unbeschädigten und vorhandenen Sachen regelmäßig sehr schwierig. Viele Apotheken haben das Inventar bereits vom Vorbesitzer übernommen, die Anschaffungsbelege für älteres Laborgerät etc. sind oft nicht mehr aufzufinden. Somit sind die Inventarwerte meist, wenn überhaupt, nur mit großem Aufwand zu dokumentieren. Hier muss also meist ein externer Schätzer hinzugezogen werden – mit allen damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen.
Der Wert des Warenlagers ist zwar problemlos zu ermitteln, doch dessen Bestand unterliegt im Jahresverlauf erheblichen Schwankungen. Das hochvolatile Lager birgt hier also ein Risiko. Üblicherweise beträgt der Lagerwert in kleineren Apotheken mindestens 40.000 bis 60.000 Euro. Wenn jedoch eine Grippewelle anrollt, kann sehr schnell das Doppelte der sonst bevorrateten Medikamente auf Lager genommen werden.
Bei einem Schadensfall zu einem ungünstigen Zeitpunkt besteht also fast immer Unterversicherung. Es sei denn, der Inhaber hat das ganze Jahr über die höchsten Wertspitzen versichert. Was er in aller Regel nicht tut. Das Ärgernis einer Unterversicherung mit der damit einhergehenden Reduzierung der Auszahlung ist am besten dadurch zu vermeiden, dass der Policengeber auf Unterversicherung verzichtet. Das ist jedoch weitestgehend marktunüblich, denn lediglich einzelne Spezial-Deckungskonzepte haben die Unterversicherungsprüfung generell abgeschafft.

Kontrollfrage: Ist für Ihren Versicherungsvertrag der Unterversicherungsverzicht vereinbart?

Betriebsunterbrechung (BU)

Häufiger und länger als die meisten anderen Unternehmen müssen Apotheken nach einem versicherten Sachschaden den Betrieb unterbrechen. Die Gründe dafür liegen in den schärferen Hygiene- und Lageranforderungen im Apothekenrecht sowie in der Notwendigkeit, dass der für die Region zuständige Pharmazierat eine erfolgreiche Wiedereröffnungsrevision durchführen muss.
Üblicherweise findet sich in bestehenden Inhaltsversicherungen von Apotheken der Einschluss einer „kleinen BU“ dokumentiert. Diese versichert den Rohertrag bis zur maximalen Versicherungssumme von einer Million Euro. Da dieser auf die gesamte Haftzeit bezogene Maximalwert jedoch in Bezug auf den tatsächlichen Schließungszeitraum oft nicht ausreichend ist, empfiehlt sich eine „große BU“ mit größerer Versicherungssumme. Hier hat sich bei Apotheken ein Richtwert von rund einem Drittel des Jahresumsatzes bewährt.
Angesichts der zu beobachtenden Klimaveränderungen mit zunehmenden Extremwetterlagen ist unbedingt darauf zu achten, dass die Betriebsunterbrechung durch Elementarschäden in der gleichen Höhe versichert ist. Oftmals werden diese Schäden nur mit reduzierten Summen oder lediglich auf Anfrage gegen Zuschlag mitversichert.

Kontrollfragen: Beträgt die Versicherungssumme für Betriebsunterbrechung mindestens 30 Prozent des Jahresumsatzes? (Bei noch laufenden Kreditverpflichtungen entsprechend mehr!) Und: Sind Elementarschäden eingeschlossen?

Kühlgut

Der Inhalt von Kühlschränken ist gewöhnlich entweder gänzlich ausgeschlossen, oder nur bei einem Stromausfall des öffentlichen Netzes mitversichert, und dann zumeist in einer für Apotheken lächerlich niedrigen Summe. Die meisten Versicherer halten offensichtlich den Warenwert einer mittelmäßig sortierten Tiefkühltheke im Supermarkt für den heranzuziehenden Maßstab.
Doch in Apothekenkühlschränken lagern deutlich kostspieligere Waren! Selten weniger als 10.000 Euro – zu Spitzenzeiten oft ein Vielfaches davon. Zudem ist die Kühlkette zwingend einzuhalten. Von daher tragen Apotheken in Bezug auf das Risiko eines Kühlschrankausfalls grundsätzlich ein erhöhtes Risiko. Die Inhalte von Apothekenkühlschränken sind nicht nur durch einen möglichen Ausfall der öffentlichen Stromversorgung bedroht. Wegen der exakt einzuhaltenden Lagervorschriften können bereits Schwankungen von wenigen Grad Celsius ausreichen, um ein Kühlgut zu verderben.
Die „normalen“ Medizinkühlschränke, wie sie jahrelang in Apotheken üblich waren, bilden die geforderten Temperaturlimits nicht eindeutig ab. Daher finden sich an diesen Geräten zusätzliche Temperatursensoren und meist ein Temperaturkalender, in den die zuständigen Mitarbeiter ihre regelmäßig abgelesenen Werte eintragen müssen. So kann sich dann der Pharmazierat bei der nächsten Revision von der ordnungsgemäßen Lagerung des Kühlgutes überzeugen.
Sicherer sind Medikamente in den einer seit einigen Jahren auf dem Markt befindlichen Gruppe von Medizinkühlschränken, die die DIN 58345 erfüllen. Diese Geräte verfügen über eine deutlich empfindlichere Temperaturmessung bis in den ersten Kommastellenbereich. Die wichtigste Neuerung jedoch ist ein eigenes „Notstromaggregat“ in Form eines Akkus. Diese zusätzliche Stromquelle ermöglicht den Geräten die Einhaltung der vorgeschriebenen Temperaturwerte auch ohne Steckdosenstrom zumindest über Nacht oder sogar über ein Wochenende.
Der Versicherungsschutz darf sich deshalb selbstredend nicht nur auf mögliche Ausfälle des öffentlichen Stromnetzes beschränken. Auch Sicherungsschäden, Versagen der maschinellen Kühleinrichtung inklusive Kühlmittelaustritt und dadurch verursachte Abweichungen von der vorgeschriebenen Temperatur oder Luftfeuchtigkeit sollten mitversicherte Risiken sein. Auch ein Ausfall der Messelektronik durch Überspannung oder technisches Versagen führt fast regelmäßig zu einer Unter- oder Überkühlung.

Kontrollfragen: A: Ist Ihr Kühlschrankinhalt überhaupt versichert – und wenn ja, gegen welche Gefahren? B. Wie viele Euro sind versichert? C. Welchen Warenwert enthält Ihr Kühlschrank maximal? D. Wie würde sich Ihr Versicherungsschutz bei Nutzung eines DIN-58345-Kühlschranks verändern?

Erweitere Außenversicherung

Grundsätzlich sind Waren dann in der Außenversicherung mitversichert, wenn sie vorübergehend nicht an ihrem eigentlichen Standort lagern. Mit dem Wort „vorübergehend“ ist meist „längstens drei Monate“ gemeint.
Apotheken brauchen jedoch eine erweiterte Definition, denn ihre „aushäusigen“ Waren bestehen in der Masse aus Impfstoffen, die z. B. in Kinderarztpraxen vorgehalten werden, oder in verblisterten oder gestellten Medikamenten für die Heimbelieferung. Diese Ware kommt nicht wieder, sondern wird in Arztpraxen, Seniorenheimen oder sonstigen Pflegeeinrichtungen aufgebraucht beziehungsweise von Betriebsärzten bei Belegschaftsimpfungen oder sonstigen Vorsorgebehandlungen verabreicht.

Kontrollfrage: Ist bei Ihren die Außenversicherungs-Klausel auf Stellen, Verblistern sowie Praxis- und Hausbelieferung erweitert?

Feuerhaftung

Apotheken gibt es in Bahnhöfen, Flughäfen, Shoppingmalls, mit Discountern unter einem Dach und dergleichen mehr. Andere Apotheken wiederum liegen in historischen Ortskernen mit dichter und alter Bebauung (z. B. Fachwerkhäusern) oder in Ärztezentren, in denen teuer ausgestattete Praxen untergebracht sind. Kommt es in der Apotheke zu einem Brand, besteht die Gefahr, dass das Feuer auf andere Gebäudeteile oder umliegende Häuser übergreift.
Bitte fragen Sie sich, wie hoch die Rechnungen der umliegenden Firmen, Geschäfte oder Praxen ausfallen könnten, wenn diese wegen eines Feuerschadens in Ihrer Apotheke nicht öffnen können?
Wer in solch einem Fall für umfassende Ertragsausfälle anderer Unternehmen in Haftung genommen wird, läuft ohne entsprechende Versicherungssumme schnell Gefahr, trotz Haftpflicht auf einem immensen Schuldenberg sitzenzubleiben.

Kontrollfrage: Ist die Feuerhaftung im Versicherungsschutz der Betriebs- und Umwelthaftpflicht eingeschlossen. Und wenn ja, wie hoch ist sie? Mit Blick auf die oft sehr exponierte Lage von Apotheken erscheint eine Deckungssumme von zehn Millionen Euro angemessen.

Einschluss grober Fahrlässigkeit

Es ist dem Versicherer anzuzeigen, wenn eine Apotheke eingerüstet und damit der Einbruch einfacher wird. Ohne diese Meldung kann der Versicherer im Schadenfall die Leistung ganz oder teilweise verweigern. Das gilt jedoch für viel mehr Fälle, als üblicherweise bekannt ist, denn die Chance, sich selbst „grob fahrlässig“ um seinen Versicherungsschutz zu bringen, ist bei Apothekern besonders groß. Die vielen Gesetze und Vorgaben, die in Apotheken zu beachten sind, führen nämlich dazu, dass streng genommen kaum ein Eigenschaden denkbar ist, der nicht „grob fahrlässig“ wäre.
Damit unterliegt die Masse aller Eigenschäden der latenten Gefahr, mit dem juristischen Vorhalt der groben Fahrlässigkeit abgelehnt zu werden.

Tipp: Da in Apotheken die gesamte Verantwortung beim Inhaber persönlich liegt, sollten zumindest grob fahrlässige Schäden durch Mitarbeiter regulierungspflichtig bleiben. Noch besser wäre es, wenn Sie den Verzicht auf die Einrede wegen grober Fahrlässigkeit auch bei Verstoß gegen Obliegenheiten in Ihren Besonderen Bedingungen hinterlegt hätten.
Ergänzt um den Einschluss der groben Fahrlässigkeit für alle Apothekenmitarbeiter bis zur maximalen Versicherungssumme und idealer Weise beim Inhaber lediglich eine Quotelung bis zu einer Höchstsumme wäre ein perfektes Ergebnis.

Einschluss AMG-Deckung (Herstellerhaftpflicht)

Rezepturen sind in jeder Betriebshaftpflicht eingeschlossen. Defekturen jedoch nicht – die sind nach §§ 84 bis 94 AMG verpflichtend mit einer ergänzenden Herstellerhaftpflicht, kurz AMG-Deckung, abzusichern. Dazu kursieren diverse Einschränkungen, wie z.B. die 100er-Regelung und ob es häufig gemacht wird oder nicht. Doch diese sind nicht rechtsverbindlich, denn am Ende entscheidet ganz sicher ein Richter darüber, ob 100 okay sind und was „häufig“ konkret bedeutet. Dieses Risiko steht im keinem Verhältnis zur Versicherungsprämie von rund 160 Euro pro Jahr.
Wer dieses Geld jedoch nicht ausgeben möchte, der sollte wenigstens eine sogenannte Vorsorgedeckung für das AMG-Risiko in seine Haftpflichtdeckung einschließen. Diese kostet nur wenige Euro Mehrbeitrag und ist deshalb in den meisten apothekengerechten Spezialkonzepten automatisch enthalten. Damit ist sichergestellt, dass bei der ersten Überschreitung der hundertundersten Einheit oder einer schleichend eintretenden Häufigkeit am ersten Schadenereignis trotzdem Versicherungsschutz besteht.

Kontrollfrage: Haben Sie eine AMG-Deckung? Wenn nicht, wenigstens eine Vorsorgedeckung abschließen.

Repräsentantenklausel

Zur Erläuterung drei typische Schadensmeldungen:
„Am 5. August 2016 habe ich das wenige Tage zuvor gekaufte Tablet auf den Arbeitstisch im Warenlager gelegt. Eine Apothekerin legte darauf einige Unterlagen ab, die später ein anderer Kollege brauchte. Dabei ist das Tablet auf den Boden gefallen.“ Schaden rund 400 Euro.
„Gestern wollte die Einkäuferin im Kommissionierer putzen. Als ein Vertreter kam, musste sie nach vorne. Die Filialleiterin hat den Rowa geschlossen und wieder in Betrieb gesetzt. Dabei hat sie den Elefantenfuß übersehen, der noch drin stand. Nun ist der Greifarm kaputt.“ Schaden knapp 40.000 Euro.
„Ich habe um 23 Uhr die Weihnachtsfeier verlassen. Die Mitarbeiter haben später vergessen, die Kerzen auf dem Adventskranz auszupusten. Dadurch ist das Obergeschoß abgebrannt.“ Über 400.000 Euro Schaden.
Solche Schäden werden vom Versicherer mit der Bemerkung abgelehnt, dass es ja Mitarbeiter waren, die den Schaden angerichtet haben. Denn ein Apothekeninhaber muss sich den Bedingungen der meisten Policen nach „die Kenntnis und das Verhalten seiner Repräsentanten zurechnen lassen“.

Tipp: Stellen Sie bitte fest, wer laut Ihren Versicherungsbedingungen „Repräsentant“ ist. Nur der Inhaber, Inhaber und Filialleiter, alle Approbierten oder alle Führungskräfte.

Beratungshaftungsrisiken bei ungewollter Schwangerschaft

In Apotheken ist mangels gesetzlicher Vorgaben die konkrete Umsetzung der Beratungspflichten bei der Abgabe der „Pille danach“ interessant. Beispiel: Beratung mitten in der Nacht am Notdienstfenster und Kontraindikationen wie Adipositas.
Aus Versicherungssicht sind vor allem zwei Szenarien von Bedeutung. Erstens: Während Schwangerschaft oder Geburt kann es zu Gesundheitsschäden der Patientin kommen. Das wäre im Rahmen der Personenschäden über jede Betriebshaftpflichtversicherung versichert, gesetzt den Fall, die Versicherungssumme reicht aus.
Zweitens: Es können Unterhaltsforderungen wegen einer ungewollten Schwangerschaft an den Apotheker herangetragen werden. Das wären dann Vermögensschäden, die in Standardpolicen durch einen weitverbreiteten Ausschluss im AGB-Passus zu „Vermögensschäden“ oftmals ausdrücklich ausgeschlossen sind.

Kontrollfrage: Wie genau sind Vermögensschäden bei Ihnen mitversichert?

Pharmazieratklausel 1

In so gut wie jedem Versicherungs-Bedingungswerk ist unter der Überschrift „Gutachterverfahren“ sinngemäß die folgende Vorgehensweise festgeschrieben: Versicherer und Apotheker benennen je einen Gutachter. Diese bestimmen einen Obmann, der schlussendlich über die Schadensregulierung verbindlich entscheidet. Angemessen ist dieses Verfahren für Apotheken nicht.
Welche Waren nach einem Schadensereignis noch abgebbar sind und welche nicht, entscheidet im Zweifel ausschließlich der zuständige Pharmazierat oder Amtsapotheker.

Kontrollfrage: Gilt für Ihre Apotheken im Zweifel das Votum des Pharmazierats – und vor allem: wo ist das rechtsverbindlich schriftlich bestätigt?

Pharmazieratklausel 2

Grundsätzlich enden Betriebsunterbrechungen immer sinngemäß „mit dem Abstellen des Schadens“. Also alles repariert und Handwerker weg. Das ist auch fast überall völlig in Ordnung. Nur eben nicht in Apotheken! Scheitert eine Wiedereröffnungsrevision, bleibt die Apotheke auch darüber hinaus geschlossen. Wann also die Betriebsunterbrechung tatsächlich endet, liegt allein in der Hand des Pharmazierats oder Amtsapothekers, die bei einer Revision die gesamte Checkliste abarbeiten.
Für Apotheker besonders ärgerlich sind bei der Revision auftretende Mängel von Handwerkern. Meist sind es Verstöße gegen die besonderen Hygieneregeln in Apotheken: Feuchtigkeit, Temperaturen und Kontaminationsrückstände. Gerade bei Biohazard-Schäden kommt es darauf an, ob die Hygienenachweise von Gutachten bis zu Dekontaminationsnachweisen vorliegenden. Auch Luftfeuchtigkeitsmessungen wurden schon gefordert. Lag die Temperatur während der Bauarbeiten über 24 Grad, kann auch die möglicherweise überhitzte Ware vorsichtshalber als nicht mehr abgebbar deklariert und die vorgeschriebene Vernichtung angeordnet werden.

Kontrollfrage: Gilt für Ihre Apotheken in Bezug auf die Handwerkerleistungen grundsätzliche die Fortdauer der Betriebsunterbrechung bis zur erfolgreichen Wiedereröffnungsrevison. Und wurde Ihnen das rechtsverbindlich schriftlich bestätigt?
Wenn nicht: Bestehen Sie bei handwerklichen Sanierungsarbeiten nach Wasser-, Feuer- sowie Biohazard-Schäden unbedingt auf die Erfüllung aller Auflagen gemäß DIN EN ISO 9001 und lassen Sie sich die Übernahme der damit verbundenen Mehrkosten vom Versicherer schriftlich bestätigen.

Rezept-Versicherung

Für Apotheker bares Geld – für Diebe völlig wertlos: Da Rezepte versicherungstechnisch zu den Urkunden gehören und nicht zur Betriebseinrichtung, sind sie nicht automatisch in der Werteversicherung eingeschlossen. Haben Sie jedoch Ihre Rezeptwerte versichert, ist es wichtig zu erfragen, ob die Versicherung auch den Zeitraum vorfinanziert, den die Rezeptsammelstelle bis zur Erstattung benötigt, denn das kann durchaus einige Monate dauern. Voraussichtlich sind Ihre Rezepte nämlich über die Rezeptabrechungsstelle versichert. Vergessen wird dabei leider immer der Zeitraum, in dem die Rezepte zwar schon in der Apotheke sind, aber von der Rezeptabrechnungsstelle noch nicht übernommen wurden. Dieser Zeitraum ist dann nicht versichert und – was noch schlimmer wiegt – die Dokumentation der verbrannten oder geklauten Rezepte gestaltet sich für den Apotheker regelmäßig höchst schwierig und aufwendig. Deshalb macht es Sinn, mit einer Rezeptsammelstelle zusammenzuarbeiten, die Ihnen die sofortige Einreichung der Rezepte z.B. mittels Scan-Übertragung ermöglicht.

Kontrollfrage: Wie sind Ihre Rezepte tatsächlich versichert? Das zu klären wäre die wichtigste Frage – schließlich geht es für Sie um bares Geld! Am besten fragen Sie hierzu Ihre Versicherung oder Ihren Berater. Das Ergebnis sollten Sie schriftlich bekommen.

Rezeptbetrug

Es kommt immer wieder zu Betrugsfällen mit gefälschten Rezepten. Hier können Mehrfachtäter durchaus großen Schaden anrichten. „In mehreren Berliner Apotheken sind […] gefälschte Rezepte für hochpreisige Psychopharmaka abgegeben worden.“
Ein Rezept ist – ebenso wie Bargeld – grundsätzlich nur für den Fall eines Einbruchdiebstahls versicherbar, in seltenen Fällen auch über die Trickdiebstahl-Klausel. Die allermeisten Versicherungs-gesellschaften schließen dieses Risiko jedoch komplett aus oder begrenzen es auf bestimmte Summen. Einige binden die Erstattung an die Nutzung besonderer Aufbewahrungsorte (Safe, gesicherte Kasse etc.).

Kontrollfrage: Ist Trickdiebstahl im Sinne von Rezeptbetrug in den Besonderen Bedingungen für die Apothekenabsicherung vereinbart?

Nachhaftung

Die sogenannte Nachhaftungszeit in der Betriebshaftpflicht schützt abgebende Apotheker vor den Folgen einer Haftpflichtforderung durch ehemalige Kunden. Denn der Nachhaftungsschutz lässt nach einer Betriebsab- oder -aufgabe mögliche Spätschäden über das Erlöschen der Police hinaus trotzdem abgesichert sein. Im Gesundheitssektor insgesamt und eben auch in Apotheken ist die Nachhaftung ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Denn Haftpflichtschäden können Monate oder Jahre nach dem auslösenden Ereignis auftreten. Meist ist keine Nachhaftung vereinbart, oder wenn, dann nur für einen kurzen Zeitraum. Nachgekauft werden kann sie jedoch immer, meist gegen eine halbe Jahresprämie pro Nachhaftungsjahr.

Tipp: Lassen Sie sich spätestens 5 Jahre vor der Abgabe die Nachhaftung einschließen. Mindestens fünf, besser aber zehn Jahre. Und am besten kostenfrei!

Umweltschaden-Haftung

In Umweltfragen werden Apotheken versicherungstechnisch wie kleine pharmazeutische Unternehmen behandelt. Gelangen z. B. im Schadensfall Medikamentenrückstände in die Umwelt – etwa durch die Beschädigung von Flüssigkeitsbehältern, Verbrennungsrückstände oder ausgeschwemmt durch Feuerlöscharbeiten –, kommt die in der Betriebshaftpflicht der Apotheke enthaltene Umweltschadenhaftpflicht bis zur maximalen Versicherungssumme für alle Fremdschäden auf. Wie hoch im Zweifel Ihre Apotheken gegen Forderungen der städtischen Wasserwerke oder der Stadtverwaltung für das Ausbaggern von Erdreich versichert ist, sollten Sie auf jeden Fall wissen.

Tipp: Überprüfen Sie die vereinbarte Umweltschaden-Haftungssumme in Ihrer Betriebshaftpflicht-Police. Hier sollte mindestens eine Millionensumme hinterlegt sein.

Rechtsschutz

Je enger der gesetzliche Rahmen, desto wichtiger ist der Rechtsschutz (RS). Für Apothekeninhaber mit ihrem eng geschnürten Korsett der ApBetrO ist diese Absicherung im Prinzip unabdingbar. Die Gefahren lauern in allen Rechtsgebieten – heute vermehrt in Fragen des Mitarbeiter-, Datenschutz- sowie des Miet- und Baurechts. Daher macht es wenig Sinn, einzelne Wagnisse auszuschließen. Durch heilwesenrelevante und apothekenrechtliche Vorwürfe wie Körperverletzung durch Abgabe eines falschen Medikaments oder Betrug bei der Abrechnung mit Krankenkassen geht es immer um langwierige Prozesse mit erheblichen Kosten. Deshalb sollte auch der Spezial-Strafrechtsschutz eingeschlossen sein.

Tipp: Für Apothekeninhaber empfiehlt sich unter Einschluss des Privat-Rechtsschutzes eine Allgefahren-Rechtsschutzdeckung. Lassen Sie Ihren Vertrag entsprechend überprüfen.

Weitere Risiken

Apothekerinnen und Apotheker müssen neben den hier aufgezählten Risiken noch mit anderen Problemen rechnen, die zwar nicht für jeden Betrieb zutreffen, aber doch für sehr viele. Mehr

Kontakt

Michael Jeinsen - Versicherungsmakler für Apotheker und Heilberufe
Oberhofer Weg 68 - 12209 Berlin

030 - 71 54 30 43
Fax: - 71 54 30 44

Handwerker-Service

Ist etwas zu Bruch gegangen oder hat nach einem Wasser-schaden die Einrichtung gelitten, dann helfen wir Ihnen auch mit unserem Handwerker-Service weiter. Wir kooperieren nämlich mit verschiedenen Betrieben, die Ihr Sanitätshaus schnell wieder auf Vordermann bringen. Erfahren Sie mehr

Unser Engagement

Wir machen uns für eine bessere Beratung von Heilberufen stark. Deshalb beteiligen wir uns unter anderem an der IHK-Fortbildung "Berater/in Heilwesen". Denn nur, wenn Vermittler wissen, worauf es bei Apothekern, Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern ankommt, können Praxen und andere Heilwesen-Einrichtungen richtig abgesichert werden.

Apotheker - das Buch

Ein Leitfaden, der zeigt, auf was es bei Versicherungen für Apotheken wirklich ankommt. Das Buch richtet sich zwar an Vermittler, "aber es ist auch für Apotheker eine leicht lesbare Lektüre", findet Karin Wahl, ehemalige Kammerpräsidentin und ABDA-Vorständin. Zum Buch

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